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Savoir vivre – Wissen, wie man lebt!


Momentaufnahmen eines Spontanaufenthaltes

Gastbeitrag von Margriths Schwester

Die Hitze hat sich schwer über die Hügel der Dordogne gelegt. Ich liege am Pool, den Hut tief ins Gesicht gezogen, froh über den Schatten des Sonnenschirms. Der Wind rauscht immer mal wieder durch die weiter unten liegenden Wälder und erfrischt mich jeweils für einen kurzen Moment. Vom Sommerhaus her höre ich leise französische Chansons und klapperndes Geschirr – ein Nachmittags-Apero wird vorbereitet. Ein Glas Weisswein, ein bisschen Käse mit Baguette. Meine einzige Frage in diesem Moment: Soll ich vorher noch kurz ins Wasser tauchen oder direkt zum Sommerhaus-Apero gehen?



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Unser Kanu treibt gemächlich über das klare Wasser der Dordogne. Der Fluss ist breit und gesäumt von dichten Wäldern. Es ist absolut ruhig. Vögel nisten am Ufer und ab und zu springt ein Fisch aus dem Wasser, wohl um Fliegen zu fangen. Gelegentlich wachsen kleine Inseln aus dem Fluss, an deren Stränden man Pausen machen kann, auf dem Weg zurück nach Limeuil, einem der wahrlich schönsten Dörfer ganz Frankreichs. Meine einzige Frage in diesem Moment: Wozu Pausen machen? Die Reise ist so gemütlich und schön. Oder soll ich doch eine machen, damit diese wunderbare Reise länger dauert?

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Über unseren Köpfen spannen Blumengirlanden. Die Gassen sind voller Menschen, Waren und verschiedener Düfte. Es ist Markt in Sarlat-la-Canéda. Gaukler lassen sich für ein paar Münzen mit den Kindern fotografieren, Karikaturisten zeichnen Touristen. Da und dort darf man «degustieren», natürlich in der Hoffnung, dass man etwas kauft. Unzählige Restaurants, Cafés und Eisdielen locken einem an, um darin zu Verweilen. Die vielen schönen, alten Häuser beeindrucken mich. Die Menschen scheinen entspannt und froh. Es ist Wochenende. Meine einzige Frage in diesem Moment: Schlendern oder Schlemmen?

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Lotusblüten und Seerosen säumen das Labyrinth von «Les jardins d’eau». Es ist heiss. Wasserspiele erfrischen einem beim Durchgehen. Nimmt man sich die Zeit zum Beobachten, findet man unzählige Frösche in verschiedenen Grössen. Folgt man den Wegen ausserhalb des Labyrinths, taucht man in eine malerisch kitschige Blumenwelt à la Claude Monet ein. Blumen, wohin das Auge reicht, Teiche und gebogene Brücken. Eine Welt für sich – eine, in der alles perfekt erscheint. Meine einzige Frage in diesem Moment: Wie wundervoll kann ein solcher Ort eigentlich sein?

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Spontan sind wir für einige Tage nach Le Bugue gereist. Noch ist das wunderbare Haus im Umbau, noch sind die Handwerker vor Ort, noch können keine externen Gäste empfangen werden. Noch… Alles dauert, alles zu seiner Zeit. Manchmal lehrt einem das Leben Geduld, hier in Frankreich macht man darin offenbar den Master. Man entwickelt eine erstaunliche Gelassenheit im Hinblick auf die anstehenden Arbeiten. Erleichternd scheint mir nur die allseits entgegengebrachte Freundlichkeit der Menschen und des Landes der 1000 und 1 Schlösser. Savoir vivre!

Verena

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