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L'amour est partout

Aktualisiert: 29. Sept. 2021

Ein Wechsel der Perspektive

Gastbeitrag von Margriths Schwester


Mal ehrlich, wusstet ihr gleich, wo die Dordogne in Frankreich liegt? Ich nicht. Ich habs gegoogelt, nachdem mir meine Schwester erzählt hat, dass sie und Robert sich dort in ein Haus verliebt haben und es zu kaufen gedenken. «Ist ja nicht grad um die Ecke», stellte ich nüchtern fest und dachte «gopf, habt ihr nichts gefunden, das noch weiter weg ist?»[Ironie off]. Acht bis neun Stunden Autofahrt, sagte sie. Klar, nach Bordeaux fliegen wäre schneller. Dann müsste man aber noch mit einem Mietwagen sicher so ca. zwei Stunden Fahrt einrechnen bis «Le Bugue», in der Dordogne. Okay…

Einige Zeit später bekamen sie den Zuschlag. Margrith schrieb mir per WhatsApp:» Händ unterschriebe fürs Hus…., bin mega happy» und ich schrieb zurück «Verrücktes Huhn» und in einer weiteren Nachricht «Gratuliere euch ganz herzlich. Ihr habt recht». Ganz ehrlich, unter uns, in diesem Moment war ich hin und her gerissen. Ich weiss noch, wo ich stehen geblieben bin und ihre Nachricht gelesen habe und wie ich die Antwort tippend den Weg langsam weitergelaufen bin. Ich weiss noch, wie meine Gedanken die ganzen weiteren Stunden, ach was schreib ich da, die ganzen weiteren Tage immer wieder bei dieser Tatsache landeten. Die gehen wirklich. Da verlieben die sich einfach in ein Haus irgendwo in Frankreich.

«Wer, wenn nicht sie?» dachte ich. Und «ich gönn den beiden das so sehr». Ich bewunderte sie für ihren Mut und ihren Optimismus und ich erzählte allen nichts anderes. «Daumen hoch und judihui! Man lebt nur einmal!»

Aber ganz ehrlich, ich war auch traurig. Traurig für mich, uns, die Familie und sowieso! Natürlich haben Margrith und ich uns auch hier in der Schweiz nicht mehr so oft gesehen, seit sie wieder im Beruf engagiert und auch ich mehr ans zuhause gebunden war. Aber das Feeling oder in diesem Fall natürlich «le sentiment», gälled, ich sag euch, das ist eben doch ein anderes, wenn man weiss, sie wohnt eine Stunde entfernt. Und da ist – abgesehen vom cheibe Gubrist – kein Hindernis, keine Landesgrenze dazwischen. So dachte ich darüber. Und heute, liebe Leute, also ich muss zugeben, ich muss mich korrigieren. Es ist gar nicht so krass, wie ich befürchtet hatte. Wir halten regelmässigen Kontakt und durch die vielen Gespräche, Bilder und Geschichten existiert in meiner Fantasie bereits ein ziemlich konkretes Bild vom Haus, dem Grundstück, den Nachbarn, dem Dorf und dem Leben in Le Bugue.

Tja, wer hätt’s gedacht, dass eine von uns mal mit ihrem Liebsten ins Ausland zieht, um ihren Traum vom «etwas anderen Leben» zu verwirklichen? Eigentlich hätte ich das tatsächlich nur ihr zugetraut. Und so ist es gekommen. Die Grenzen wurden nicht von ihr gezogen. Und sie sind überschreitbar. Trifft man dieses «le coup de coeur» in Frankreich, verliebt man sich dort in dieses Flecklein Erde, dann ist es halt so. Wo die Liebe hinfällt, das kann überall sein. Und so bin ich nun glücklich über diese Tatsache. Glücklich für Margrith und Robert und glücklich für uns, die wir ja jetzt alle ein neues gemeinsames Reiseziel haben. Vielleicht trifft man sich mal in Le Bugue, in der Dordogne!

Verena



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